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Morgenmagie am Almsee: Fototour durch das Salzkammergut

Aktualisiert: 18. Juni

Zwischen spiegelnden Bergseen und alpinen Gipfeln: Ein Guide für Landschaftsfotografen.


1. Das Abenteuer: Auf den Spuren der Urlandschaft

„Es ist landschaftlich einer der schönsten Teile der Deutschen Alpen, mit lieblichen, lachenden Gegenden, freundlichen Städtchen und Schlössern, großartigen Gebirgskesseln mit dunkelgrünen Seen, tosenden Bächen, hochragenden Bergriesen, von denen sich Gletscher herabziehen.“

– Meyers Konversations-Lexikon, 1888



Geografisch sprechen wir heute von den Nördlichen Kalkalpen. Doch diese historische Beschreibung aus dem Jahr 1888 fängt die Seele unserer geführten Fototour „Grünblaues Salzkammergut“ perfekt ein.

Österreich besitzt rund 10.400 Berge über 1.000 Meter Höhe. Mein kühner Plan, all diese Gipfel zu erklimmen, scheiterte rasch an der reinen Masse. Schnell war eine neue Projektidee geboren: alle 76 Salzkammergutseen kennenzulernen.

Jedes dieser Gewässer glänzt mit erstklassiger Trinkwasserqualität. Für uns Fotografen viel wichtiger: Das glasklare Wasser reflektiert das Licht in allen erdenklichen Nuancen. Von tiefem Dunkelblau über leuchtendes Türkis bis hin zu Smaragdgrün – ein absoluter optischer Hochgenuss. Neben der Natur prägt das „weiße Gold“ die Region. In Hallstatt befindet sich eines der ältesten Salzbergwerke der Welt. Es legte den Grundstein für die jahrtausendealte Kulturgeschichte des Salzkammerguts.



Landschaftsfotografie des Almsees in Österreich bei Sonnenaufgang mit perfekter Bergspiegelung.
Morgendliche Symmetrie – Das Tote Gebirge spiegelt sich im Almsee. 

📸 Fotografische Notiz zum Almsee:

Das Bild besticht durch eine perfekte 50:50-Symmetrie. Die spiegelglatte Wasseroberfläche des Almsees verdoppelt die markanten, schroffen Gipfel des Toten Gebirges im Hintergrund. Der tiefe Kamerastandpunkt betont den Vordergrund, während links hängende Äste als natürlicher Rahmen (Natural Framing) dienen. Die leichte Nebelschicht über dem Schilfgürtel trennt den Seehintergrund plastisch von den Bergen und verleiht dem Bild Tiefe. Die Aufnahme entstand in der goldenen Stunde kurz nach Sonnenaufgang. Die Gipfel werden vom warmen, tiefstehenden Licht direkt angestrahlt, während das Tal noch im kühlen Schatten liegt.

Exif-Tipp: Brennweite ca. 24mm, Blende f/8 bis f/11, ISO 100. Bei absoluter Windstille reicht eine Verschlusszeit von etwa 1/30s aus.


2. Kriterien für die Tourenwahl: Der fotografische Funke

  • Die beste Jahreszeit: Die Aufnahmen entstanden im Frühsommer (Mai bis Juni). In dieser Zeit sorgt das Schmelzwasser für gut gefüllte Bergseen. Die Vegetation erstrahlt in sattem Grün. Alternativ bietet der Herbst (September bis Oktober) stabile Hochdruckwetterlagen mit dramatischen Nebelstimmungen am Morgen.

  • Klima, Wind und Wetter: Für perfekte Spiegelungen auf den Seen benötigen Landschaftsfotografen absolute Windstille. Diese findet man meistens in den allerersten Morgenstunden vor der thermischen Windentstehung. Ein Blick auf den lokalen Windbericht schützt vor Enttäuschungen. Zudem sorgt das typische „Salzkammergut-Schürl“ (Tiefdruck-Nebelkonstellationen) oft für mystische Bildstimmungen.

  • Geologie und Vegetation: Das Salzkammergut gehört zu den Nördlichen Kalkalpen. Schroffe, helle Kalksteinwände bilden einen genialen, kontrastreichen Hintergrund zu den tiefen Wäldern und bunten Almwiesen. Die Beschaffenheit des Bodens fordert festes Schuhwerk, belohnt aber mit einer artenreichen Flora und Fauna (wie Enzian oder Gämsen), die wunderbare Makromotive bietet.



3. Die harten Fakten & Touren-Steckbrief

📋 Touren-Steckbrief - Fototour durch das Salzkammergut


Wichtiger Hinweis zur Logistik: 

Unsere Fototour startet mit dem magischen Sonnenaufgang am Almsee im Almtal. Dieser Stopp ist bequem per Auto erreichbar. Die eigentliche Wanderung beginnt erst im Nachbartal am Parkplatz Taferlklaussee (Aurachtal).

Von dort geht es sportlich über das Hochlecken auf den Brunnkogel (1.708 m). Am Gipfel wartet ein gigantischer Rundumblick auf den Attersee, den Traunsee, die Langbathseen und den Taferlklaussee. Der Abstieg verläuft über den Hochleckenkogel und mündet nach rund 1,5 Kilometern wieder in die Aurachkarrinne zurück zum Ausgangspunkt.


Der Taferlklaussee in Österreich mit Spiegelung des bewaldeten Höllengebirges an einem sonnigen Vormittag.
Frühlingserwachen am Taferlklaussee – Das Höllengebirge im Spiegelbild. 

📸 Fotografische Notiz zum Taferlklaussee:

Dieses Panorama besticht durch eine klassische Dreiteilung und einen starken Vordergrundbezug. Das saftig grüne Schilf- und Grasufer im linken Vordergrund führt das Auge diagonal in das Bild hinein. Die perfekt ausbalancierte Horizontlinie trennt die dichten Nadelwälder und die aufragenden Kalksteinwände des Höllengebirges von ihrer Spiegelung. Am rechten Bildrand rahmt eine Gruppe hoher Fichten die Szenerie ein, während eine kleine Holzhütte am gegenüberliegenden Ufer als charmanter Fixpunkt dient. Das klare, kontrastreiche Licht eines sonnigen Vormittags lässt das Grün der Bäume intensiv strahlen.

Exif-Tipp: Um ein solch verzerrungsfreies Breitbild-Panorama zu erstellen, empfiehlt sich die Aufnahme mehrerer vertikaler Einzelfotos im Hochformat (z. B. bei 35mm oder 50mm Brennweite), die später per Software zusammengesetzt werden (Stitching). Verwenden Sie Blende f/8 oder f/11, ISO 100 und ein stabiles Stativ mit Nodalpunktadapter.

  • Region & Lage: Höllengebirge, Salzkammergut, Oberösterreich

  • Reine Gehzeit: ca. 5:20 Stunden (Rundtour ab Taferlklausee)

  • Streckenlänge: 11 km

  • Höhenmeter: 1.055 hm im Auf- und Abstieg

  • Höchster Punkt: 1.708 m (Brunnkogel)


🗺️ Sicherheit & Orientierung

  • Wanderkarte: Trotz GPS und Smartphone gehört eine physische, topografische Wanderkarte der Region in jeden Rucksack.

  • Wetter: Das alpine Bergwetter kann schnell umschlagen. Vor dem Aufstieg unbedingt den aktuellen Alpin-Wetterbericht prüfen.

  • Wegführung: Die Routen sind gut markiert und viel begangen, verlangen aber alpine Aufmerksamkeit.


⚠️ Anspruch & Ausrüstung

  • Schwierigkeit: Mittel bis schwer (Bergweg-Klassifizierung T2 mit anspruchsvollen Abschnitten).

  • Gelände: Die Querung von Geröllhalden im Aurachkar sowie ausgewaschene Pfade voll Latschenwurzeln erfordern Trittsicherheit, Schwindelfreiheit und eine solide Grundkondition für über 1.000 Höhenmeter.


Schroffe graue Kalkfelswand im Höllengebirge umgeben von grünen Latschenkiefern beim Aufstieg zum Hochlecken.
Schroffer Kalkstein im Höllengebirge – Aufstiegsweg vorbei an den Felswänden des Hochleckens. 

📸 Fotografische Notiz zum Aufstieg:

Das Bild nutzt eine natürliche V-Form im Bildaufbau, die durch die schattige Flanke am rechten Rand und die mächtige Felswand im Zentrum gebildet wird. Durch diese Gasse öffnet sich der Blick in das weite Alpenvorland. Das Bild wurde bei klarem, hartem Seitenlicht aufgenommen. Die tiefe Struktur des Kalksteines wird durch den Streiflichteffekt extrem betont – jede Spalte und Kante tritt plastisch hervor.

Exif-Tipp: Bei so harten Lichtverhältnissen droht die Gefahr überbelichteter Lichter. Achten Sie auf das Live-Histogramm Ihrer Kamera und belichten Sie leicht auf die hellen Felsbereiche (Expose to the Right). In der Nachbearbeitung können Sie die Schatten in den dichten Latschenkiefern wieder leicht anheben. Eine geschlossene Blende wie f/8 sichert die knackige Schärfe.


  • Bekleidung: Funktionelle Schichtbekleidung (Zwiebelprinzip), knöchelhohe Bergschuhe mit griffiger Profilsohle, Kopfbedeckung, Sonnenbrille und Sonnencreme.

  • Verpflegung: Ausreichend Wasser (mindestens 2 Liter), energiereiche Riegel oder Bananen. Badesachen für den Sprung in den See nach der Tour nicht vergessen!

  • 💡 Mein Extratipp: Nehmen Sie sich für das Salzkammergut unbedingt mehrere Tage Zeit. So können Sie die wechselnden Lichtstimmungen stressfrei einfangen. Nutzen Sie die Abende, um die hervorragende, regionale Küche der traditionellen Gasthäuser zu genießen – fangfrischer Saibling aus den Seen ist nach einer langen Wandertour ein absolutes Highlight.

4. Das technische Foto-Setup

Für erstklassige Landschaftsaufnahmen im Salzkammergut empfehle ich folgende Ausrüstung:


  • Kamera: Spiegelreflex- oder spiegellose Systemkamera mit manuellen Einstellmöglichkeiten.

  • Objektive: Ein Weitwinkelobjektiv (16–35mm) für die Weite der Seen sowie ein leichtes Teleobjektiv (70–200mm) zum Freistellen markanter Berggipfel.

  • Stativ & Zubehör: Ein stabiles, aber leichtes Reisestativ sowie ein Nodalpunktadapter für verzerrungsfreie Panoramaaufnahmen.

  • Filter: Ein ND-Filter (Graufilter) für längere Belichtungszeiten bei fließendem Wasser und ein Polfilter zur Reduzierung von Spiegelungen sowie zur Sättigung des Himmelsblau.

  • Sicherheit im Rucksack: Genug Ersatzakkus (Kälte zehrt an der Kapazität), Speicherkarte/Ersatzkarte, USB-Kabel, Powerbank und eine Stirnlampe für den Aufstieg im Dunkeln.


 Blick vom Berggipfel des Brunnkogels hinab auf den tiefblauen Attersee unter weißen Quellwolken.
Gipfelpanoramen über dem Salzkammergut – Tiefblick vom Brunnkogel auf den Attersee.

📸 Fotografische Notiz zum Attersee-Blick:

Diese weitläufige Panorama-Aufnahme nutzt eine Staffelung in drei Bildebenen. Der Vordergrund wird von den sanft abfallenden, alpinen Bergwiesen und Latschenkiefern geprägt. Eine markante Nadelbaumgruppe im linken Drittel fungiert als klassischer „Augenfänger“. Im Mittelgrund blickt man steil hinab auf das markante, tiefblaue Band des Attersees. Große, plastische Quellwolken (Kumuluswolken) werfen weiche Schatten auf die Bergflanken. Dadurch entsteht ein abwechslungsreiches Spiel aus Licht und Schatten.

Exif-Tipp: Bei solchen Weitblick-Panoramen mit starker Sonneneinstrahlung ist der Einsatz eines Polfilters essenziell. Er minimiert den atmosphärischen Dunst in der Ferne und lässt den Attersee noch blauer strahlen. Wählen Sie Blende f/11 bei ISO 100.


Alpines Panorama vom Grat des Brunnkogels mit Blick auf den Langbathsee und den Traunstein in der Ferne.
Alpines Kinorama – Blick vom Brunnkogel-Grat auf Traunstein, Traunsee und Langbathsee.

📸 Fotografische Notiz zum Grat-Panorama:

Diese spektakuläre Panoramaaufnahme nutzt die natürliche Linienführung des zerklüfteten, felsigen Bergrückens im Vordergrund als perfekten visuellen Leitstrahl. Der helle Kalksteingrat führt das Auge direkt in die Bildtiefe. Im rechten Mittelgrund schmiegt sich der tiefblaue Vordere Langbathsee in das bewaldete Tal, während dahinter die markante Silhouette des Traunsteins aufragt.

Exif-Tipp: Bei extremen Helligkeitsunterschieden zwischen weißen Wolken und dunklen Talschatten empfiehlt sich eine Belichtungsreihe (Bracketing) mit 3 oder 5 Aufnahmen (z.B. -2, 0, +2 EV). So geht in den Wolken keine Zeichnung verloren. Wählen Sie Blende f/10 für maximale Randschärfe.

5. Fototour durch das Salzkammergut - Jetzt bist du dran!

Welcher See im Salzkammergut ist dein persönlicher Favorit für das perfekte Landschaftsfoto? Hast du die Tour auf den Brunnkogel vielleicht selbst schon gemeistert?

Schreib es mir unbedingt in die Kommentare! Ich freue mich auf deine Gedanken, Fragen und deine eigenen Bergberichte.

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