Goldrausch, Blaubeeren & Bergseen: Mein neues Bergrevier in den Seetaler Alpen
Nach unserem Umzug nach Graz war ich natürlich gleich auf der Suche nach einer neuen Wanderheimat. Wie so oft beginnt eine erste Entdeckungsreise vor dem Bildschirm: Auf Google Maps wechsle ich am liebsten schnell von der Satelliten- auf die Kartenansicht, denn dort spüre ich am schnellsten Flüsse, Bäche und tiefblaue Bergseen auf.
Nur eine gute Autostunde von Graz entfernt fielen mir die Seetaler Alpen ins Auge – für mich wie eine persönliche Einladung! Eine genauere Recherche verriet mir rasch die drei idealen Ausgangspunkte: die Sabathyhütte, die Winterleitenhütte und die Waldheimhütte. Allesamt hochgelegen und perfekte Tore in die Bergwelt. Als ich dann noch das Helmut-Erd-Schutzhaus auf dem 2.396 Meter hohen Zirbitzkogel entdeckte, war die Entscheidung gefallen.
1. Die Premiere: Von Zirbenwäldern und dem roten Berg (čьrvenica)
Meine erste Tour sollte direkt eine ausgedehnte Rundenkombination werden: Von der Waldheimhütte wandere ich über das Türkenkreuz zum tiefblauen Wildsee, weiter über den Fuchskogel auf den Zirbitzkogel und schließlich wieder hinab zum Ausgangspunkt.
Neues Bergrevier in den Seetaler Alpen

Nach den oft schroffen, steinigen Steigen der Kalkalpen war der angenehme Untergrund in den Seetaler Alpen purer Wandergenuss für die Beine. Die lichten Zirbenbestände legen zwar nahe, dass der Zirbitzkogel nach den Zirben benannt ist – in Wahrheit stammt der Name jedoch vom kroatischen Wort čьrvenica, was sich mit „rote Gegend“ übersetzen lässt. Wer Mitte September bis Mitte Oktober hier unterwegs ist, versteht sofort warum: Die Sträucher der Rauschbeeren und die Blätter der Rostblättrigen Alpenrose färben die Hänge in ein leuchtendes Rotbraun.
Die Orientierung fällt hier wunderbar leicht. Es gibt nur wenige Schilderbäume, doch die Landschaft öffnet sich übersichtlich. Meist genügt die Himmelsrichtung – so wusste ich schon bei meiner ersten Tour, dass ich den Wildsee südwestlich passieren muss, um ihn perfekt aus der Vogelperspektive zu fotografieren. Eine kleine Kuriosität am Rande: Zum Gipfelkreuz des Fuchskogels wandert man tatsächlich ein Stückchen nach unten!

Kurz vor dem Zirbitzkogel wird das Gelände noch einmal steiler, bevor man das belebte Gipfelplateau erreicht. Nach der Rast zog ich weiter zu einer imposanten Felsformation im warmen Abendlicht. Diese Felsen wirken in der sanften Weidelandschaft fast wie moderne Kunstwerke – verzaubernde Überreste der Erdgeschichte.
2. Eiskristalle & Windschleier: Winter & Skitouren am Zirbitzkogel
Schon im Sommer dachte ich darüber nach, ob sich die sanften, breiten Hänge auch für Skitouren eignen. Die letzten Winter waren zwar schneearm, aber die Neugier trieb mich wieder hinauf.
Oben angekommen blies der Wind ordentlich – bei rund 40 Knoten fühlten sich die feinen Eiskristalle im Gesicht wie 1.000 kleine Nadelstiche an! Doch genau darin liegt eine eigene Magie: Wenn der Wind die Eiskristalle über die Grasbüschel weht, entsteht ein sanfter, seidenweicher Schleier, der die Weiden in eine märchenhafte Welt verwandelt.

Am Gipfel empfing mich ein komplett vereister Glockenturm und eine mächtige Schneefahne am Gipfelkreuz. Trotz der eisigen Kälte, die kaum ein Ausziehen der Handschuhe erlaubte, gelangen traumhafte Impressionen. Zum Abfellen suchte ich den Windschatten der Hütte auf. Der Weg bleibt oft lange bis in den Frühling hinein befahrbar – und wenn rundherum schon alles ausgeapert ist, wird der weiße Waldweg zu einem äußerst fotogenen Motiv.
💡 Profi-Tipp: Meine Sicherheits-Box im Auto
Da man bei der Tourenplanung nie an alles denken kann, steht im Winter immer eine fest gepackte Box in meinem Kofferraum:
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3. Wetterkapriolen & Lichtspiele: Kreiskogel, Ochsenlacken & Sabathyhütte
Ein anderer Ausflug führte uns von der Winterleitenhütte Richtung Kreiskogel. Der Tag begann mit dichtem Grau und einem Graupelschauer – Bedingungen, bei denen man sich zweimal fragt, warum man das warme Wohnzimmer verlassen hat. Doch wer das launische Aprilwetter kennt, weiß, dass sich das Blatt schnell wenden kann.

Und tatsächlich: Plötzlich brach die Sonne durch die Wolkendecke! Der Graupelschauer hatte die Schneefelder in reinstes Weiß getaucht, während die bereits schneefreien Ochsenlacken dunkel spiegelten. Der Fotograf in mir wusste in diesem Moment, warum es sich lohnt, auch bei vermeintlich "schlechtem" Wetter aufzubrechen!
An einem Sommer-Tag starteten wir beim Alpengasthof Sabathy in Richtung Lindersee. Als wir den Gipfel des Zirbitzkogels erreichten, riss die Wolkendecke auf: Nebelschwaden wurden an der Luvseite hochgedrückt und ein magisches Wolkenfenster öffnete sich, durch das das Sonnenlicht exakt auf den Lavantsee fiel!

⚠️ Wichtiger Hinweis für Drohnen-Piloten – Neues Bergrevier in den Seetaler Alpen
Beim Aufstieg am Kreiskogel wandert man entlang der Grenze zum militärischen Truppenübungsplatz. Als Inhaber einer Drohnen-Pilotenlizenz möchte ich eindringlich darauf hinweisen: Am Kreiskogel und am Scharfen Eck ist das Fliegen mit Drohnen streng verboten! Gründe dafür sind die Kontrollzone (MCTR) des Militärflugplatzes Zeltweg, das Sperrgebiet des Truppenübungsplatzes sowie die zivile Wetterradarstation der Austro Control am Scharfen Eck. |
4. Herbstgold & Familienzeit: Die Winterleitenseen
Begeistert von der Vielseitigkeit lud ich schließlich meine Familie zu einem herbstlichen Sonntagsausflug ein. Unser Weg führte uns von der Winterleitenhütte am Kleinen Winterleitensee vorbei über eine kurze, harmlose Steilstufe hinauf zum Großen Winterleitensee.

Dass der untere See kleiner ist als der obere, liegt daran, dass er bereits stark verlandet ist – was dem visuellen Genuss jedoch keinen Abbruch tut! Der Herbst hatte beide Seen in einen leuchtenden Saum aus goldgelbem Gras gehüllt.
Für die Kinder gab es reife Heidelbeeren, kleine Bäche zum Spielen und nasse Füße – zum Glück hatte ich ein zweites Paar Schuhe eingepackt! Während die Familie die warme Herbstsonne genoss, wanderte ich mit meinem 9-jährigen Sohn weiter hinauf zu den Ochsenlacken. Die rotbraunen Hänge des Kreiskogels im Gegenlicht zu sehen, war der perfekte Abschluss.
Fazit: Meine neue Bergheimat
Egal ob saftige Sommerwiesen, goldener Herbstglanz oder vereiste Wintergipfel: Die Seetaler Alpen haben alles zu bieten, was das Herz von Wanderern, Skitourengehern und Landschaftsfotografen höherschlagen lässt. Sie sind mir zu einer echten, vertrauten Bergheimat geworden.
Jetzt seid ihr dran: Welche Jahreszeit zieht euch am meisten in die Berge? Seid ihr eher im farbenfrohen Herbststurm unterwegs oder genießt ihr die Einsamkeit auf den Tourenski im Winter? Schreibt es mir gerne in die Kommentare!







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