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Wie ein Morgen am Tappenkarsee mein Leben veränderte: Vom Studio in die Wildnis

Ein magischer Sonnenaufgang im Pongau – und das Geheimnis hinter meinen Landschaftspanoramen


1. Das Abenteuer: Der Moment der Erleuchtung

Im wahrsten Sinne des Wortes war es eine Erleuchtung, die mich vom technisch orientierten Werbefotografen zum leidenschaftlichen Landschaftsfotografen gemacht hat. Angesichts meiner täglichen Arbeit in kunstlichtdurchfluteten Industrieparks und sterilen Fotostudios suchte ich regelmäßig nach einem echten Ausgleich unter freiem Himmel.

Diese Ausflüge in die unberührten österreichischen Naturlandschaften leiteten schließlich auch eine tiefgreifende berufliche Veränderung ein. Dabei ist mir ein Erlebnis ganz besonders in Erinnerung geblieben:

Es war im Juni 2011, pünktlich um 4:50 Uhr morgens. Ich saß am Ufer des Tappenkarsees im Pongau und wartete im frostigen Morgengrauen eineinhalb Stunden lang auf die ersten Sonnenstrahlen. Dieses Ereignis sollte für meine fotografischen Ziele sprichwörtlich das nötige Licht ins Dunkel bringen.


Eineinhalb Stunden – das ist viel Zeit, um darüber nachzudenken, was mich dazu getrieben hat, überhaupt hier in der Kälte zu sitzen. Darüber, wie ich die Landschaftsfotografie zu meinem Beruf machen und die Nachtstunden in der Natur sinnvoller als mit reinem Warten verbringen könnte. Und darüber, was ich über Erdkunde, Sonnenstände und Topografie lernen muss, damit ich künftig mit meiner Kamera zur rechten Zeit am absolut rechten Ort bin.


Als es endlich so weit war, überwältigte mich die Faszination des Tagesanbruchs: Das wärmende Sonnenlicht, das über die Berggipfel brach und sich im spiegelglatten Bergsee spiegelte, war wie ein persönlicher Auftrag für meine Reise durch die Jahreszeiten – der Startschuss für mein Langzeitprojekt mit dem Arbeitstitel „Made in Austria“.


Mein Name ist Josef Reiter – und dieser Anekdote vom Tappenkarsee folgten bis heute etwa 300 fotografische Streifzüge durch ganz Österreich, bei denen ich tausende Panoramabilder mit nach Hause nahm.


2. Der Naturraum: Warum dieser Ort?

Der Tappenkarsee ist nicht einfach nur irgendein Gewässer – er ist einer der größten und am höchsten gelegenen Gebirgsseen der gesamten Ostalpen. Eingebettet in die schroffen Felswände der Radstädter Tauern im Salzburger Land, strahlt dieser Ort eine fast mystische Ruhe aus.


  • Geologie & Klima: Das tiefe, kühle Becken des Sees ist ein eiszeitliches Relikt. Umgeben von steilen Karwänden herrscht hier oben ein raues, alpines Klima, weshalb sich Schneereste oft bis weit in den Frühsommer hinein halten.


  • Vegetation & Tierwelt: Anfang Juni erwacht die Natur hier oben explosionsartig. Während im Tal schon der Sommer regiert, kämpfen sich am Seeufer die ersten alpinen Gräser und Kräuter ans Licht, dicht gefolgt von der beginnenden Almrauschblüte an den Hängen. Wer leise ist, hört im Kar das Pfeifen der Murmeltiere.


  • Kriterien für meine Tourenwahl: Für meine Fototouren suche ich gezielt Orte, die eine perfekte Symbiose aus markanten Bergspitzen und spiegelnden Wasserflächen bieten. Der Tappenkarsee erfüllt dieses Kriterium par excellence: Die Symmetrie der Spiegelung im glasklaren Wasser bei Windstille verdoppelt die visuelle Wucht der Landschaft.


3. Die harten Fakten: Dein Weg zum Tappenkarsee

Damit dein eigenes Foto-Abenteuer gelingt, findest du hier alle wichtigen Details zur klassischen Tour auf einen Blick.


📋 Touren-Steckbrief

  • Region & Lage: Salzburger Land, Pongau, Kleinarl / Radstädter Tauern

  • Reine Gehzeit: ca. 2,5 bis 3 Stunden (für den direkten Auf- und Abstieg)

  • Streckenlänge: ca. 7,5 Kilometer (ab Parkplatz Jägersee/Schwabalm)

  • Höhenmeter: ca. 620 Höhenmeter im Aufstieg

  • Höchster Punkt: Tappenkarsee / Tappenkarseehütte (1.820 m)


⚠️ Anspruch & Ausrüstung

  • Schwierigkeit: Mittel (Rote Bergwege). Der Steig von der Schwabalm führt serpentinenartig und teils steil durch eine Felswand, ist aber gut versichert und breit angelegt. Trittsicherheit ist erforderlich.

  • Ausrüstungstipp: Ein stabiles, standfestes Stativ ist für die langen Belichtungszeiten in der Morgendämmerung unerlässlich.


  • Bekleidung & Verpflegung: Schichtbekleidung (Zwiebelprinzip)! Selbst im Juni kann es im Morgengrauen knapp über dem Gefrierpunkt sein. Genug Wasser und Energieriegel einpacken, da die Hütten im Frühsommer je nach Schneelage oft erst im Laufe des Junis öffnen.


🗺️ Sicherheit & Orientierung

  • Wetter: Bergwetter genau beobachten. Nebel im Kar kann die Sicht auf die Gipfel binnen Minuten komplett nehmen.

  • Wegführung: Gut markierter und viel begangener Wanderweg (Weg Nr. 722).


  • 💡 Mein Extratipp: Ich habe auf der wunderschön gelegenen Tappenkarsee-Hütte übernachtet, um das erste Licht ohne nächtlichen Stress einzufangen. Aber auch die urige Tappenkarsee-Alm direkt am See lädt zum Verweilen ein.


  • Die Erweiterung: Die Tour lässt sich vom Tappenkarsee über das Karteistörl und das Draugsteintörl über die Draugsteinalmen und zurück zum Tappenkarsee zu einer wundervollen, panoramareichen Rundtour ausbauen!




4. Der fotografische Funke: Die vierteilige Bildanalyse

Um die Transformation einer Landschaft im Zuge des Sonnenaufgangs lückenlos und ohne Verzerrungen zu dokumentieren, nutze ich eine Kleinbild-Spiegelreflexkamera, ein lichtstarkes 17 mm Weitwinkelobjektiv, ein bombenfestes Stativ und einen exakt austarierten Nodalpunktadapter. Nur so lassen sich die einzelnen Hochformat-Aufnahmen später am Computer nahtlos zu einem gigantischen, verzerrungsfreien Panorama zusammensetzen.

Am Beispiel dieses Morgens am Tappenkarsee lässt sich die Evolution des Lichts meisterhaft zeigen:


See im ruhigen, blauen Dämmerungslicht mit Fels im linken Vordergrund.
Bevor die Sonne die Berggipfel berührt, dominiert das diffuse, kühle Licht der blauen Stunde.
Das Warten in der Blauen Stunde
  • Foto-Tipp: Nutze markante Elemente im Vordergrund (wie den bemoosten Felsblock links), um dem flachen Licht Struktur zu geben. Die absolute Windstille sorgt für eine perfekte, spiegelglatte Verdopplung der Bergketten im See. Die Belichtungszeit ist hier durch das fehlende Licht noch vergleichsweise lang.


Gleißendes Gegenlicht der aufgehenden Sonne
Die Sonne bricht über den Kamm und schickt ihr direktes, extrem kraftvolles Licht ins Kar.
Der Moment der Erleuchtung
  • Foto-Tipp: Dies ist die ultimative Herausforderung für den Dynamikumfang des Kamerasensors. Die Sonne spiegelt sich als gleißender Stern im See. Um die Schatten in den Bergen links nicht komplett absaufen zu lassen und gleichzeitig die Lichter im Sonnenzentrum zu kontrollieren, empfiehlt sich hier eine Belichtungsreihe (HDR) oder der gezielte Einsatz von Grauverlaufsfiltern.


Blick zur Alm mit Almrosen im rechten Vordergrund.
Sobald die Sonne höher steht, drehen wir die Blickrichtung. Während die massiven Felswände links noch tiefe, grafische Schatten werfen, werden die Grashänge und die Tappenkarsee-Alm bereits warm ausgeleuchtet.
Streiflicht und florale Details
  • Foto-Tipp (Vordergrund macht Bildgesund): Der Fokus wandert weg von der reinen Symmetrie hin zur alpinen Flora. Die rosa blühenden Almrosen (Almrausch) und die Felsbrocken im unmittelbaren Vordergrund ziehen das Auge des Betrachters tief hinein in das Panorama.


Wildbach im Vordergrund, Sonnenstern hinter den Latschen.
Abseits der spiegelnden Seeoberfläche erwacht die Bewegung. Das Schmelzwasser stürzt als reißender Wildbach ins Tal.
Die Dynamik der Schneeschmelze
  • Foto-Tipp: Schließe die Blende (z.B. auf f/11 oder f/16) und komponiere das Bild so, dass die Sonne haarscharf die Kante einer Latsche oder eines Felsens berührt – so entsteht ein perfekt gestochen scharfer Sonnenstern. Die Belichtungszeit wird so gewählt, dass die Gischt des Wassers ihre vitale, s-förmige Fließstruktur behält, anstatt zu einer milchigen Fläche einzufrieren.




5. Vom Studio in die Wildnis - Jetzt bist du dran!

Vier völlig unterschiedliche Stimmungen und technische Herangehensweisen – aufgenommen am selben Morgen, am selben Ort. Es zeigt, wie wichtig es ist, am Berg Geduld zu haben und den Blick wandern zu lassen.

Hast du auch diesen einen magischen Ort, der deine Sicht auf die Natur oder die Fotografie komplett verändert hat? Warst du selbst schon einmal am Tappenkarsee und hast das erste Licht des Tages genossen?

Schreib es mir unbedingt in die Kommentare! Ich freue mich auf deine Gedanken, Fragen und deine eigenen Bergberichte.



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