Hochfürleg (2.943 m) & Medelzlacke: Wo Gondelkomfort auf raue Hochalpen trifft
- Vera und Josef Reiter

- vor 1 Tag
- 4 Min. Lesezeit
Ein Tourenbericht über Eisseen, den Mythos Mittagssonne und warum Turnschuhe am Gletscher keine gute Idee sind.

⏱️ Für eilige Leser: Die Tour im Schnelldurchlauf
Das Erlebnis: | Hochalpine Einsamkeit knapp unter der 3.000er-Marke, türkisfarbene Eisseen und majestätische Gletscher-Panoramen – inklusive lehrreicher Begegnungen zwischen Gondel-Tourismus und echter Bergwelt. |
Anforderung: | Trittsicherheit, Schwindelfreiheit, Orientierungssinn bei Schneefeldern und eine solide Ausrüstung für hochalpines Gelände (T3 bis T4). |
Fotografisches Highlight: | Die glasklaren, azurblauen Schmelzwasserseen (z. B. Medelzlacke / namenloser Gletschersee) vor der Kulisse von Stubacher Sonnblick und Granatspitze. |
Wichtigster Ausrüstungstipp: | Feste, steigeisenfeste/krampengeeignete Bergschuhe und Leichtgrödel im Rucksack – selbst im hochsommerlichen August! (Bitte keine Sneaker auf Gletscherkeesen 😉). |
1. Das Abenteuer
Wer der drückenden Sommerhitze des Tals entfliehen möchte, findet in der Granatspitzgruppe eine Oase aus Fels, Eis und erfrischender Höhenluft. Schon die Anfahrt durch das Enns- beziehungsweise Salzachtal Richtung Uttendorf/Enzingerboden ist das perfekte Aufwärmprogramm. Mit der Weißsee-Gondelbahn geht es dann bequem hinauf auf 2.300 Meter zur Berghotel Rudolfshütte.
Doch hier beginnt der Kontrast der zwei Welten: Während auf der sonnigen Panoramaterrasse Familien bei +8 °C fröhlich ihren Kaffee genießen und Kinderwägen im Alpingarten geparkt werden, schlägt draußen das Herz der rauen Tauernwelt.

Wer von der Rudolfshütte aufbricht Richtung Hochfürleg (2.943 m), lässt den Trubel schlagartig hinter sich. Der Weg führt über die historische Staumauer, vorbei an versteckten Karseen, verwitterten Markierungssteinen und Schneefeldern, in denen sich die Sommersonne bricht. Die Hochfürleg verfehlt zwar knapp die „magische“ 3.000er-Marke – belohnt dafür aber mit Einsamkeit, wilder Schönheit und einem Ausblick auf das Rabenkees und das Sonnblickkees, der jedem Bergfex das Herz höherschlagen lässt.
2. Kriterien für die Tourenwahl: Der fotografische Funke
📸 Mythos Mittagssonne – Lichtwelten auf 2.500+ MeternIn der Landschaftsfotografie gilt die pralle Mittagssonne oft als Tabu. Nicht so im Hochgebirge! Dank der extrem reinen, staubfreien Luft und der Reflexionen von Schnee und Eis entstehen selbst zur Mittagszeit gestochen scharfe Kontraste und ein tiefes, sattes Himmelsblau. Mit dem richtigen Pol- oder Vario-ND-Filter lässt sich das grelle Licht perfekt bändigen. |
🌸 Bergfrühling im HochsommerWährend unten im Tal im August alles vertrocknet, erwacht auf 2.600 Metern erst das Leben. Neben schmelzenden Schneefeldern blühen gelber Gemswurz und filigrane Steinbrech-Arten mitten im Granit. Dieser Kontrast zwischen zarter Blüte und eworigem Eis ist photographischer Genuss pur. |
🧊 Gletscherseen & die Magie des SchmelzwassersGletscher- und Karseen haben für mich eine magische Anziehungskraft. Das kalk- und mineralhaltige Schmelzwasser bricht das Licht in spektakulären Türkis- und Azurtönen (wie auf der Medelzlacke oder dem spitzenmäßig gelegenen eislosen Gletschersee am Wegesrand). |

Die beste Jahreszeit: | Hochsommer bis Frühherbst (Ende Juli bis Mitte September), wenn die Wege schneefrei(er) sind, die Schmelzwasserseen ihre schönste Farbe tragen und die Fernsicht am klarsten ist. |
Klima, Wind und Wetter: | Das Hochgebirge macht sein eigenes Wetter. Ein Temperatursturz von 25 °C im Tal auf schlagartige +5 °C an der Hütte ist im August keine Seltenheit. Nebelfelder können sich rasend schnell bilden. |
Geology & Vegetation: | Dominierend sind Zentralgneis, Granit und Glimmerschiefer der Hohen Tauern. Die Vegetation reicht von alpinen Rasenfragmenten bis hin zu nacktem Fels und Blockwerk der Glazialzone. |
3. Die harten Fakten & Touren-Steckbrief
Region & Lage: | Hohe Tauern / Granatspitzgruppe, Salzburg (Uttendorf / Enzingerboden) |
Reine Gehzeit: | ca. 5,5 bis 6,5 Stunden (Rundtour incl. Abstecher Medelzlacke) |
Streckenlänge: | ca. 11,5 km |
Höhenmeter: | ca. 850 hm im Auf- und Abstieg |
Höchster Punkt: | Hochfürleg (2.943 m) |
🗺️ Sicherheit & Orientierung
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⚠️ Anspruch & Ausrüstung
| Schwere Bergwege / T3 bis T4. Ausgesetzte Passagen, Blockgelände und der Gipfelanstieg verlangen Schwindelfreiheit und absolute Trittsicherheit. |
| Rutschgefahr auf nassen Granitplatten, instabile Schneebrücken über reißenden Schmelzwasserbächen (niemals als Selfie-Spot nutzen!) und Randklüfte an den Gletscherübergängen. Bei Frost/Neuschnee absolut gefährlich. |
| Hochalpin (Fels, Blockwerk, Altschneefelder, Schutt). |
| Zwiebelprinzip! Mütze und dünne Handschuhe gehören selbst im August in den Rucksack, ebenso wind- und wasserfeste Hardshell. |
| Ausreichend Wasser/Isotonisches (Tipp: Kopfschmerzen entstehen oft durch Dehydration in Kombination mit der dünneren Luft!) und energiereiche Brotzeit. |
💡 Mein ExtratippFür ambitionierte Gipfelsammler lassen sich in der Region gleich mehrere Ziele kombinieren. Wer es nach der Tour etwas entspannter mag: Der Abstecher zur Medelzlacke lässt sich wunderbar einbauen (oder knieschonend mit dem Medelz-Sessellift anfahren). Die Reflexionen der Granatspitze im See sind jede Minute wert! |
4. Mein technisches Setup für Panorama-Aufnahmen
Um die gewaltige Dimension der Hohen Tauern verzerrungsfrei einzufangen, nutze ich eine durchdachte Panorama-Technik:

Kamera & Objektiv: | Vollformat-Spiegelreflexkamera mit Weitwinkelzoom (17–35 mm) – bevorzugt im Brennweitenbereich zwischen 24 und 35 mm für natürliche Proportionen beim Stitchen. |
Bildformat: | Konsequent RAW-Format für maximalen Dynamikumfang bei extremen Lichtkontrasten (weißer Schnee vs. dunkler Fels). |
Stativ & Zubehör: | Stabiles Reisestativ mit Nodalpunktadapter. Letzterer ist essenziell, um Parallaxenfehler bei Nah-Distanzen (z. B. Steine/Vordergrund) zum Hintergrund zu vermeiden. |
Filter: | Hochwertiger Vario-ND- und Polfilter zur Reduktion von Reflexionen auf Schmelzwasserflächen und zur Sättigung des Himmelsblaus. |
Software: | Lightroom Classic für die RAW-Entwicklung, PTGui Pro für das hochpräzise Stitchen der hochauflösenden Panoramen und Photoshop für den feinen Feinschliff. |
Sicherheit im Rucksack: | Smartphone, Ersatzakkus (Kälte zehrt an der Leistung!), Speicherkarten im Case, USB-Kabel & Powerbank. |
5. Jetzt bist du dran!
Warst du schon einmal in der Granatspitzgruppe unterwegs oder hast du die Rudolfshütte besucht? Welche kuriosen Begegnungen oder Ausrüstungspannen sind dir auf deinen Hochtouren schon begegnet?
Schreib es mir gerne in die Kommentare – und denk daran: Am Berg gilt immer Eigenverantwortung vor Selfie-Lust! 🏔️📸







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