Wo die Zeit fließt: Kameratour über die Kaltenbachseen zum Deneck-Gipfel
- Vera und Josef Reiter

- vor 9 Stunden
- 7 Min. Lesezeit
Natur im Wandel: Ein Leitfaden für die Landschaftsfotografie zwischen Geduld, Bildzyklen und alpinem Naturschutz.
⏱️ Für eilige Leser: Die Tour im Schnelldurchlauf
Das Erlebnis:
Eine der schönsten Bergwanderungen im Naturpark Sölktäler mit drei idyllischen Karseen, einer weiten Tundra-Hochebene und einem grandiosen Gipfelblick.
Anforderung: Bis zum zweiten See einfach, danach anspruchsvoller (T3). Absolute Trittsicherheit und eine solide Kondition für 858 Höhenmeter sind beim Gipfelanstieg Pflicht.
Fotografisches Highlight: Die spektakuläre Ostausrichtung der Bergseen sorgt für perfektes Licht in den frühen Morgenstunden. Der Almrausch (Alpenrose) blüht im Frühsommer direkt am Ufer.
Wichtigster Ausrüstungstipp: Nimm mindestens 2,5 bis 3 Liter Wasser mit (keine Einkehrmöglichkeit am Weg)! Schalte bei Langzeit-Timelapse-Aufnahmen unbedingt den Kamera-Bildschirm aus, um die Akkulaufzeit drastisch zu verlängern.
1. Das Abenteuer: Warum zieht es uns in die Ferne?
Wie so oft hat mich auch heute jemand gefragt, warum ich für jede Tour eine andere Region wähle. Die Antwort ist leicht: Zum einen verlangt meine Neugierde danach und die Vorfreude flammt schon bei der Tourenplanung auf, zum anderen ist es schlicht berufsbedingt. Eine meiner ersten Bergtouren führte mich vor vielen Jahren zu den wunderschönen Kaltenbachseen in der Steiermark – dieses Mal vollendete ich die anspruchsvolle Route bis zum markanten Gipfel des Deneck in den Schladminger Tauern.
Mit dieser Wanderung verbinde ich zutiefst prägende und schöne Erinnerungen. Lange Zeit war es für mich kaum vorstellbar, dass diese Erlebnisse noch zu toppen sind. Doch die Befürchtung, am Berg Enttäuschungen zu erleben, vergeht mit der Zeit. Dazu kommt die faszinierende Tatsache, dass die Natur absolut beispiellos ist, wenn es um monumentale Veränderungen geht. Oftmals dauert es Jahrtausende, und oftmals nur einen einzigen Wimpernschlag lang, bis sich ein Landschaftsbild komplett wandelt.
Wenn man stundenlang neben dem Stativ im rauen Gelände wartet, während die Kamera im unbarmherzigen 3-Sekunden-Takt die Zeit einfriert, beginnt man anders über diese Vergänglichkeit nachzudenken. Professionelle Landschaftsfotografie ist weit mehr als das bloße „Sammeln schöner Motive“. Es ist eine Form der Meditation. Man spürt die kühle Bergluft, beobachtet das langsame Wandern der Schatten auf den steilen Felswänden und begreift, wie klein wir eigentlich in dieser Kulisse sind. Diese Entschleunigung ist das eigentliche Geschenk, das wir oft mit nach Hause nehmen – noch vor den fertigen Bildern auf der Speicherkarte.
Technische Notiz: Sequenz aus ca. 700 High-Res-RAW-Bildern, komprimiert auf 29 Sekunden (Datenvolumen ca. 27 GB). Aufgenommen mit Vario-ND-Filter bei Blende f/11, Intervall: 3 Sekunden, Belichtungszeit: 1/30 Sekunde zur Erzeugung von weichem Motion Blur bei den Wolken. Nachbearbeitet und deflickert via LRTimelapse und Adobe Lightroom.
Veränderungen gibt es aber auch, wenn eine Region eine gewisse Popularität und Frequentierung erreicht hat. An dieser Stelle darf ich daran erinnern, dass auch wir Fotografen diejenigen sind, die solche unberührten Plätze publizieren. Durch unsere Bilder im Internet erlangen sie Bekanntheit und werden für die breite Masse zugänglich gemacht. Es liegt in unserem eigenen Interesse, dass sich immer mehr Menschen an der Schönheit der Bergwelt erfreuen – was allerdings auch Schattenseiten hat und deshalb nach großem Verantwortungsbewusstsein verlangt.
Wir reden hier schließlich von der sensiblen Heimat der Wildtiere, vom strengen Artenschutz, von geschützten alpinen Pflanzen und von hochgradig fragilen Ökosystemen. Die Natur ist nicht nur veränderlich und regenerativ, sie ist vor allem verletzlich!

Technische Notiz: Makro- oder Teleaufnahme mit weit geöffneter Blende, um eine minimale Schärfentiefe zu erzielen. Fokus präzise auf die vorderen Blütenstempel gesetzt. In der Nachbearbeitung wurden die Kontraste der kleinen Bodenrosetten leicht angehoben, um die raue Textur des alpinen Untergrunds zu betonen.
Wie verletzlich, zeigt sich oft abseits der markierten Pfade. Das folgende Panorama zeigt einen winzigen, namenlosen und bereits stark verlandeten Karsee, den man auf den offiziellen Wanderkarten vergeblich sucht. Um diese Perspektive einzufangen, habe ich den Hauptweg für einen kurzen Moment verlassen.
Als Naturfotografen stehen wir dabei in einer enormen Verantwortung: Jedes Betreten von sensiblem alpinen Rasen oder Moorboden kann Jahrzehnte an Regeneration zerstören. Für dieses Foto galt daher die strikte Regel: Bewegung ausschließlich auf nacktem Urgestein und über das trockene, steinerne Bachbett. Wenn du in den Bergen fotografierst und eine neue Perspektive suchst, frage dich immer zuerst:
Hinterlasse ich hier gerade Spuren? Wenn ja, ist es das Foto nicht wert. Bitte sucht diesen kleinen See nicht gezielt abseits der Wege – die unberührte Natur dankt es euch.

Technische Notiz: Mehrzeiliges Panorama, zusammengesetzt aus Hochformat-Aufnahmen auf felsigem Untergrund. Polfilter zur Reduktion von Reflexionen auf den Gräsern im Wasser. Aufgenommen bei hellem Tageslicht – im Blog als Praxisbeispiel für verantwortungsvolle Naturfotografie und das Prinzip „Hinterlasse keine Spuren“ genutzt.
Der Weg ist nicht immer das Ziel: Als leidenschaftlicher Naturfotograf sollte man viel Liebe und tiefes Verständnis für die natürlichen Abläufe des Lebens mitbringen. Wer Wildtiere fotografieren möchte, braucht in erster Linie absolute Ruhe. Man stellt sich am besten auf die windabgewandte Seite und nutzt ein lichtstarkes Teleobjektiv. Künstliches Anfüttern ist meist eine fatale Idee. Nicht alle Tiere können bei Gefahr wegfliegen; viele überleben in dieser Höhe nur, weil sie über Jahrtausende einen strikten Fluchtinstinkt entwickelt haben.
Ich stelle mir gerade vor, wie zerbrechlich das Leben der wundervollen Bergblumen ist und unter welch widrigen Umständen sie dennoch einen Weg finden, uns zu erfreuen. Denken wir also bei jeder Tour aktiv daran, dass wir den Naturraum genau so verlassen, wie wir ihn beim nächsten Mal vorzufinden wünschen. Schon ein kleiner Beitrag hilft: Wer sich bückt, „Vergessenes“ aufhebt und im Tal entsorgt, geht als großartiges Beispiel voran. Viele wissen es schon – es hinterlässt eine tiefe innere Zuversicht.
2. Kriterien für die Tourenwahl: Der fotografische Funke
Wer beim Wandern am Sölkpass epische Landschaftsaufnahmen plant, sollte seine Tour akribisch nach fotografischen Kriterien ausrichten:
Die beste Jahreszeit: Jede Saison hat ihren Reiz. Zu beachten ist jedoch, dass der Sölkpass im Winter gesperrt ist, was einen sehr langen Anmarsch erfordert. Die beste Zeit für eisfreie Seenlandschaften und blühende Vegetation ist von Juni bis Oktober.
Klima, Wind und Wetter: Alpinem Wetterbericht Priorität einräumen. Für spannende Timelapse-Aufnahmen sind wechselhafte Tage mit ziehenden Wolkenformationen oft dramaturgisch besser als ein wolkenloser, blauer Himmel. Absolute Windstille in den frühen Morgenstunden garantiert zudem makellose Spiegelungen auf den Seeoberflächen.
Himmelsrichtung und Licht: Die Kaltenbachseen sind strikt ostseitig ausgerichtet. Das ist der absolute Jackpot für frühmorgendliche Aufnahmen, wenn die allerersten Sonnenstrahlen über die östlichen Bergkämme brechen und das gesamte Kar mit goldenem Licht fluten.
Geologie und Vegetation: Kristallines Urgestein prägt die schroffe Landschaft. Im Frühsommer blüht hier der Almrausch (Alpenrose) in kräftigem Rosa, was einen genialen Komplementärkontrast zum tiefen Blau der Karseen bildet.

Technische Notiz: Mehrzeiliges Panorama, vom Wanderpfad aus leicht erhöhter Position aufgenommen. Manueller Fokus auf das unendliche Bergmassiv gelegt, bei geschlossener Blende (f/11) für durchgehende Schärfe von den Blüten im Vordergrund bis zum Gipfelgrat. In der Nachbearbeitung wurden die Tiefen der schattigen Felswände dezent angehoben, um die raue Struktur des Urgestienses zu betonen.
3. Die harten Fakten & Touren-Steckbrief
Region & Lage: Naturpark Sölktäler, Steiermark (Sölkpass-Passhöhe)
Reine Gehzeit:
Unterer Kaltenbachsee: 30 Min.
Mittlerer Kaltenbachsee: 1 Std.
Oberer Kaltenbachsee: 1 Std. 25 Min.
Deneck-Gipfel: 2 Std. 30 Min.
Gesamtgehzeit (Rundweg): ca. 4,5 bis 5 Std.
Streckenlänge: ca. 7,5 km (für die Rundtour)
Höhenmeter: 858 hm
Höchster Punkt: Deneck (2.433 m)
🗺️ Sicherheit & Orientierung
Achtung Autofahrer: Der Wanderparkplatz am Wegesrand nahe der Kaltenbachalm (Sölkpassstraße) ist zwar kostenlos, allerdings haben die dortigen Weidetiere freien Zugang. Für Parkschäden durch Kühe wird nicht gehaftet – Dellen oder Kratzer sind im Sommer leider keine Seltenheit!
Wetterrisiken im Hochgebirge: Bei aufziehendem Nebel, plötzlichem Wettersturz oder Gewittergefahr ist der ausgesetzte Gipfelgrat zum Deneck sofort zu meiden.
Wegführung: Hervorragend markiert und beschildert (ÖAV-Wegnummer 787).
⚠️ Anspruch & Wander-Ausrüstung
Schwierigkeit: Bis zum Mittleren Kaltenbachsee einfach (T1/T2). Danach wird der Steig steiler. Der finale Gipfelanstieg zum Deneck ist im oberen Teil felsig, exponiert und mit der Bergwanderkategorie T3 durchaus anspruchsvoll.
Gelände: Steile Bergpfade, loses Blockgelände und felsige Grate. Eine solide Grundkondition ist zwingend erforderlich.
Bekleidung: Klassische Berg- und Wanderbekleidung (Zwiebelprinzip), gutes, knöchelhohes Schuhwerk mit rutschfester Profilsohle.
Verpflegung & Trinkwasser: Proviant und vor allem ausreichend Wasser sollten für mindestens 5 Stunden autarkes Wandern reichen. Es gibt keine Einkehrmöglichkeit direkt am Weg! Das glasklare Seewasser ist wegen der intensiven Beweidung durch Vieh (Gefahr von Keimbelastung) auf keinen Fall als Trinkwasser zu empfehlen. Mindestens 2,5 bis 3 Liter Flüssigkeit pro Person mitführen.
💡 Mein Extratipp: Der Gipfelanstieg lässt sich hervorragend als Rundtour gehen, sofern Trittsicherheit und Schwindelfreiheit vorhanden sind. Nimm immer zuerst den schwierigeren Weg – das ist aus meiner Sicht der Aufstieg über die Schafspitze.

Technische Notiz: Mehrzeiliges Panorama aus erhöhter Position, präzise gestitcht, um Verzerrungen der Horizontlinie zu vermeiden. Belichtung auf die hellen Wolkenpartien optimiert, während die Schatten in den tiefen Karbecken in der Postproduktion sanft angehoben wurden, um Zeichnung in den dunklen Seeufern zu bewahren.
Der anschließende Rückweg über die Etrachböden (eine traumhafte, weite Hochebene) war für mich persönlich das unerwartete, landschaftliche Highlight dieser Tour.

Technische Notiz: Einzeiliges Weitwinkel-Panorama aus mehreren Horizontalaufnahmen. Verwendung eines Polfilters zur gezielten Kontrastverstärkung der weißen Wolkenformationen gegen das tiefe Himmelsblau. In der digitalen Ausarbeitung wurden die warmen Erdtöne und das alpine Gras dezent betont, um die sommerliche Hochgebirgsstimmung originalgetreu wiederzugeben.
4. Mein technisches Setup für Timelapse-Aufnahmen in den Bergen
Wer spektakuläre Zeitraffer-Sequenzen im Hochgebirge erstellen möchte, benötigt das passende Kamera-Equipment und ein fehlerfreies Setup:
Kamera: Kleinbild-Spiegelreflex- oder spiegellose Systemkamera mit vollen manuellen Einstellmöglichkeiten. Lebenswichtiger Handgriff: Schalte den Autofokus (AF) nach dem präzisen Scharfstellen komplett aus, um Fokus-Spritzen („Pumpen“) zwischen den Einzelbildern im fertigen Video zu verhindern.
Objektive: Ein hochwertiges Standard-Zoom (z. B. 24-70mm). Eingestellte Blende: f/11 (für durchgehende Schärfentiefe vom Vordergrund bis zum Horizont). Belichtungsintervall: Festgelegt auf 3 Sekunden.
Bildformat: Ausnahmslos RAW (bietet maximale Dynamikreserven für die spätere Korrektur von extremen Lichtern und tiefen Schatten).
Stativ & Zubehör: Ein stabile, verwindungssteifes Reisestativ (Karbon spart wertvolles Gewicht beim Aufstieg). Schnellwechseladapter nicht im Auto vergessen!
Filter: Ich verwende standardmäßig einen hochwertigen Vario-ND-Filter. Dieser Graufilter ist im gleißenden Gebirgslicht unverzichtbar, um die Belichtungszeit künstlich auf ca. 1/30 Sekunde zu verlängern. Erst das erzeugt die weiche, harmonische Bewegungsunschärfe bei ziehenden Wolken oder fließendem Wasser (Motion Blur).
Software für die Postproduktion: Adobe Lightroom in Kombination mit LRTimelapse für die fließende Helligkeitsoptimierung und das professionelle Entfernen von Helligkeitsflackern (Deflickering). Für das finale Rendering und den Videoschnitt nutzt man Premiere Pro (aktiviere unbedingt die Symbolansicht für effizientes Arbeiten mit riesigen Bildsequenzen).
Sicherheit im Rucksack & Energiemanagement: Smartphone, ausreichend leere High-Speed-Speicherkarten und eine leistungsstarke Powerbank gehören fest ins Gepäck.
💡 Mein Profi-Tipp für maximale Akkulaufzeit: Bei 700 hochauflösenden Aufnahmen in Folge ist nicht nur die Kälte der Feind, sondern der eigene Workflow. Schalte unbedingt den Kamera-Bildschirm (Live-View und automatische Bildrückschau) komplett aus! Das permanente Aufleuchten des Displays nach jedem Foto frisst die meiste Energie. Vertraue deinem vorherigen Testfoto und lass die Kamera im "Dunkeln" arbeiten – dein Akku wird es dir mit der doppelten Laufzeit danken.
5. Kameratour über die Kaltenbachseen zum Deneck-Gipfel - Jetzt bist du dran!
Hast du die Kaltenbachseen schon einmal vor der Linse gehabt? Welche Intervalle nutzt du am liebsten für deine Berg-Timelapses? Schreib es mir unbedingt unten in die Kommentare!







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