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Fototouren Österreich: Das eiszeitliche Naturjuwel der Goldlacken

⏱️ Für eilige Leser: Die Tour im Schnelldurchlauf


  • Das Erlebnis: Eine Reise zurück in die Eiszeit inmitten der wilden Schladminger Tauern.

  • Anforderung: Anspruchsvolle Bergwanderung (T3), die absolute Trittsicherheit, Schwindelfreiheit und alpine Erfahrung voraussetzt.

  • Fotografisches Highlight: Kristallklare Karseen (Goldlacken), die das majestätische Hochwildstellen-Massiv spiegeln.

  • Wichtigster Ausrüstungstipp: Ein stabiles Stativ mit Nodalpunktadapter für präzise Panoramen und windfeste, funktionale Schichtenbekleidung.


1. Das Abenteuer Goldlacken: Zwischen alpiner Realität und fotografischem Glück


Es ist ein zutiefst befriedigendes Gefühl, nach einer anspruchsvollen Tour die Daten auf dem Laptop zu sichern und das fertige Rohmaterial auf der SD-Karte zu wissen. Während die Backups laufen, möchte ich meine frischen Eindrücke dieses hochalpinen Klassikers mit euch teilen.

Schon lange standen die Goldlacken ganz oben auf meiner Prioritätenliste. Warum es so lange gedauert hat? Zum einen ist die Messlatte im Ennstal hoch: Es fiel mir schwer zu glauben, dass es ein eiszeitliches Relikt geben soll, das die landschaftliche Dramatik der nahen Klafferkessel noch übertreffen kann. Zum anderen fordert dieses Gelände Respekt und die richtige Vorbereitung.

Mein erster Versuch Anfang Juni zeigte mir schnell die Grenzen auf: Tief hängende Wolken und aufkommende Gewittertendenzen im Sattental zwangen mich zum Umkehren. Als erfahrener Bergwanderer weiß ich: Im Hochgebirge hat falscher Ehrgeiz keinen Platz. Diese Entscheidung war goldrichtig. Auch die darauffolgende Hitzewelle im Hochsommer war für mich kein Terrain – hochalpine Wanderungen verstehe ich als gesunden Sport. Den Kreislauf auf den vom Gletscher glatt geschliffenen Felsen bei extremer Hitze und intensiver UV-Strahlung unnötig zu belasten, ist schlicht unprofessionell.


Wenn die Natur Regie führt

Die Geduld hat sich ausgezahlt. Die Sommerhitze hat den Altschnee mittlerweile schmelzen lassen und dem ersten alpinen Grün Platz gemacht. Für mich als Berufsfotograf ein absoluter Glücksfall: Die dunklen, schroffen Felswände des Hochwildstellen-Massivs (mit 2.747 m der höchste Berg, der komplett auf steirischem Boden liegt) werden nun von sattgrünen Grasbändern durchbrochen. Das verleiht dem Massiv eine grandiose, fast plastische Ästhetik.

An diesem Tag war die Herausforderung am Berg weniger konditioneller, sondern vor allem fotografischer Natur. Bei der Planung analysiere ich als Fotograf penibel die Himmelsrichtungen und den Sonnenstand. Da es sich bei den Goldlacken um klassische Karseen handelt, ist das essenziell: Die mächtigen Felswände ragen hier westseitig empor. Um das beste Licht zu nutzen, stand ich bereits um 10:00 Uhr vormittags am Tagesziel. Was mich dort erwartete, war jedoch kein Postkartenhimmel, sondern rasende Wolkenfelder, heftiger Föhn und eisige Kälte – meteorologisch ungemütlich, fotografisch jedoch eine absolute Goldgrube.


Das eiszeitliche Naturjuwel der Goldlacken

Das Hochwildstellen-Massiv in der Steiermark mit dunklen Felswänden und saftig grünen Vegetationsbändern im Sommer.
Epische Totalaufnahme der majestätischen Nordwestflanke des Hochwildstellen-Massivs (2.747 m). Dunkler, schroffer Fels bricht abwechselnd mit leuchtend grünen Grasbändern auf. Der Vordergrund zeigt die ersten alpinen Ausläufer.

Sicherheit geht vor: Die T3-Klassifizierung unter der Lupe


Bevor ich mich in fotografischer Schwärmerei verliere, ein paar ehrliche Worte zur Route. Auf dem Papier wirkt die Wanderung relativ harmlos. Doch der Schein trügt, und genau hier ist Vorsicht geboten. Eine kurze Passage ist seilversichert – hier gilt selbst bei besten Bedingungen: Hand ans Seil und volle Konzentration. Bei Nässe oder Restschnee wird dieser Abschnitt ohne entsprechende Trittsicherheit und Vorsicht schnell gefährlich.

Bei meiner Recherche stieß ich auf die Einstufung der Tour mit der Bergwanderskala T3 (anspruchsvolles Bergwandern). Vor Ort wurde mir schnell klar, warum diese Bewertung absolut gerechtfertigt ist:


  • Optische Täuschung: Der üppige Grünbewuchs kaschiert die Steilheit des Geländes. Tatsächlich fällt der Hang an manchen Stellen um mehr als 50° ab.

  • Trügerische Sicherheit: Auf nacktem Fels bewegt sich jeder instinktiv vorsichtig. Ein steiler, grasbewachsener Hang verleitet zur Nachlässigkeit – doch ein Ausrutscher auf nassem Gras hat hier dieselben fatalen Folgen wie im senkrechten Fels.

  • Saisonale Gefahren: Das bestätigt auch meine Entscheidung, im Frühsommer umzukehren. Damals lagen in den steilen Rinnen noch massive Schneefelder, die ohne Steigeisen oder Pickel unüberwindbar gewesen wären.


Das Spiel mit dem Wind

Neben dem Gelände war der Wind an diesem Tag mein ständiger Begleiter – und mein wichtigster Verbündeter. Am Karboden fegte der Föhn mit Spitzen von bis zu 30 Knoten (ca. 55 km/h). Als thermischer Fallwind tritt der Föhn glücklicherweise zyklisch auf.

Diese physikalische Eigenschaft nutzte ich gezielt für meine Arbeit: In den kurzen, windstillen Momenten legte sich die Brise im Lee der großen Felsblöcke schlagartig. Für winzige Sekundenbruchteile glättete sich die Wasseroberfläche der Goldlacken vollkommen und gab den Blick frei auf messerscharfe, spiegelglatte Reflexionen der Gipfel.


Weitwinkelaufnahme eines klaren, hochalpinen Karsees (Goldlacken) in den Schladminger Tauern unter einem dynamischen Wolkenhimmel. Im spiegelglatten, dunklen Wasser reflektiert sich die Wolken. Die extrem klare Luft bietet eine weite Fernsicht über das Tal bis hin zu den scharf gezeichneten, fernen Gipfelketten am Horizont.
Die berüchtigte Föhn-Fernsicht: Ein Blick wie aus dem meteorologischen Lehrbuch weit über die Goldlacken hinaus in Richtung Sattental. Die herabsinkende, abgetrocknete Luft löst jeglichen Dunst auf und sorgt für eine kristallklare Sicht bis zu den fernen Gipfelketten, während die kurzen Ruhephasen im Lee eine spiegelglatte Wasseroberfläche zaubern.

2. Kriterien für die Tourenwahl: Der fotografische Funke


Die beste Jahreszeit:

Idealerweise von Anfang Juli bis September. Im Frühsommer (Juni) blockieren oft gefährliche Altschneefelder den T3-Steig; ab dem Spätsommer bieten die herbstlichen Verfärbungen der alpinen Vegetation in Kombination mit den tiefstehenden Sonnenständen grandioses Licht.


Klima, Wind und Wetter:

Lokale Wetterberichte für die Schladminger Tauern sind Pflicht. Aufziehender Föhn bringt zwar oft dramatische Wolkenstrukturen, verlangt aber windstabiles Equipment und entsprechende Kältebekleidung. Bei Nebel oder Starkregen ist die Orientierung im Kar extrem riskant.


Geologie und Vegetation:

Geologisch betrachtet ist ein Kar eine halbrunde, sesselförmige Formation, entstanden durch glaziale Erosion (Gletscher-Ausschürfung). Sammelt sich in diesen Kesseln das Schmelz- und Regenwasser, entstehen die charakteristischen Karseen. Bei den Goldlacken finden wir eine ganze Ansammlung dieser eiszeitlichen Zeugen. Die vom Ur-Gletscher glattgeschliffenen Felsen erzählen mit ihren markanten Verwerfungen, mineralischen Einschlüssen und geometrischen Mustern von den Urkräften der Erde. Sie bieten exzellente grafische Linien und visuelle Führungen für die Bildkomposition. Wenn sich dazu eine Wolkenstimmung gesellt, schreit diese wilde Urlandschaft geradezu nach kontrastreicher Schwarzweiß-Fotografie.



Schwarzweiß-Fotografie eines eiszeitlichen Karsees der Goldlacken mit gletschergeschliffenen Felsstrukturen unter Wolkenhimmel.
Eiszeitliche Strukturen am Karsee Bildbeschreibung: Eine dramatische Nahaufnahme eines der Goldlacken-Seen. Im glasklaren Wasser spiegeln sich die dunklen Wolken. Die vom Gletscher geschliffenen Felsen im Vordergrund zeigen feine Linienstrukturen und Texturen. Das Bild ist im edlen Schwarzweiß-Stil gehalten.

Technische Notiz: Brennweite 18mm, Blende f/11, Belichtung auf die Lichter optimiert für maximale Zeichnung.


3. Die harten Fakten & Touren-Steckbrief

Region & Lage

Schladminger Tauern, Steiermark, Österreich (Zugang über das Sattental / Pruggern)

Reine Gehzeit

ca. 5,5 bis 6,5 Stunden (Gesamtrunde ohne ausgedehnte Fotopausen)

Streckenlänge

ca. 12,5 km

Höhenmeter

ca. 1.100 Höhenmeter im Auf- und Abstieg

Höchster Punkt

Goldlacken (Kar-Plateau) auf ca. 2.290 m


🗺️ Sicherheit & Orientierung


  • Wetter: Nur bei stabiler Wetterlage starten. Der Föhn kann rasch Sturmstärke erreichen.

  • Wegführung: Der Pfad weist im unteren Teil sehr gute, frische Markierungen auf. Im oberen Kar helfen Steinmänner und vereinzelte Schneestangen bei der Orientierung. Im rauen, felsigen Gelände verlieren sich die sichtbaren Steigspuren jedoch komplett. Bei schlechten Sichtverhältnissen oder dichtem Nebel wird von einer Begehung strikt abgeraten.


⚠️ Anspruch & Ausrüstung


  • Schwierigkeit: T3 (Alpines Wandern). Die Steilheit des Geländes wird durch das Alpingrün optisch unterschätzt. Erfahrung mit der richtigen Tritt- und Steigtechnik auf gletschergeschliffenem, glattem Fels ist von großem Vorteil.

  • Gelände & Kondition: 

  • Ausgezeichnete Ausdauer, absolute Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sind zwingende Voraussetzungen.

  • Bekleidung: 

  • Klassische, funktionale Schichten-Bergbekleidung. Unverzichtbar ist stabiles, knöchelhohes Schuhwerk mit griffiger Profisohle (Vorsicht: Überalterte Bergschuhe verlieren durch Weichmacher-Verlust drastisch an Grip!). Winddichte Handschuhe und eine warme Mütze gehören wegen des Föhns selbst im Hochsommer in den Rucksack.

  • Verpflegung: 

  • Autarke Versorgung einplanen. Energiereicher Proviant und mindestens 2 bis 3 Liter Wasser müssen für 5–7 Stunden Aktivität genügen. Es gibt keine bewirtschaftete Einkehr am Weg.


💡 Mein Extratipp: Ausblicke und Abstecher -

Mein Extratipp: Ausblicke und Abstecher Die majestätische Wildhochstelle (2.747 m) ist ein anspruchsvoller Kletterberg (Klettersteig im Schwierigkeitsgrad B/C) – das überlasse ich persönlich lieber den Alpinisten. Wer auf dem Hochplateau der Goldlacken noch nicht genug hat, sollte unbedingt den überwältigenden Tiefblick ins Riesachtal genießen und optional weiter zur Trattenscharte wandern. Beim Abstieg bin ich noch einen kleinen Umweg von etwa 50 Höhenmetern zum idyllischen Stierkarsee abgestiegen. Zwar wirkte der See beim Aufstieg aus der Vogelperspektive fast noch schöner, doch ein erfrischender Sprung ins kühle Nass hat nach einer so langen, schweißtreibenden Wanderung einen ganz besonderen Reiz!


4. Mein technisches Setup für Panorama-Aufnahmen


  • Kamera: Vollformat-Spiegelreflex- oder spiegellose Systemkamera (DSLM) mit präzisen manuellen Einstellmöglichkeiten. Ganz wichtig: Autofokus nach der ersten Fokussierung komplett ausschalten!
  • Objektiv: Weitwinkelzoom (z. B. 17-35 mm), vorzugsweise im Brennweitenbereich um 17 mm bis 24 mm genutzt.

  • Bildformat: Kompromissloses RAW-Format für maximalen Dynamikumfang in der Postproduktion.

  • Stativ & Zubehör:Extrem stabiles Reisestativ, kombiniert mit einem exakt austarierten Nodalpunktadapter zur Vermeidung von Parallaxenfehlern.

  • Filter: Ich verwende standardmäßig einen Vario-ND-Filter. Aufgrund der schnellen Wolkenbewegung und im Sinne kurzer Belichtungszeiten habe ich hier jedoch bewusst darauf verzichtet.


  • Software: PTGui Pro für das präzise, professionelle Stitching der Einzelaufnahmen.


  • Sicherheit im Rucksack: Smartphone mit Offline-Karten, mehrere Ersatzakkus (Kälte entlädt Akkus rasant), ausreichend leere Ersatz-Speisekarten, USB-Kabel und eine robuste Powerbank.

Wie geht es weiter?

In den kommenden Tagen erscheinen in unserer Rubrik „Projekte & Prozess“ zwei Spezial-Beiträge zu dieser Tour. Im nächsten Teil widmen wir uns der extremen Panorama-Aufnahmetechnik und dem Workflow in der Postproduktion, gefolgt von einem tiefen Blick in die alpine Meteorologie und das Phänomen des Föhns.


5. Das eiszeitliche Naturjuwelder Goldlacken – Jetzt bist du dran!

Hast du schon einmal die unbändige Kraft eiszeitlicher Landschaften im Foto festgehalten? Welche Karseen in Österreich haben dich am meisten begeistert? Schreib mir deine Erfahrungen, Fragen zur Tour oder deine eigenen Foto-Tipps unten in die Kommentare!



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