Jagdinstinkt vs. Struktur: Warum die beste Kamera ohne Motiv wertlos ist
- Vera und Josef Reiter

- 27. Juni
- 4 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 27. Juli
📝 Auf einen Blick: Das erwartet dich - Motive in der Landschaftsfotografie
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Nachdem ich in den letzten Tagen viel Zeit und Energie in die Wartung und Pflege meiner Homepage gesteckt habe – ein Prozess, der gefühlt ohnehin nie ganz endet –, gönne ich mir heute eine bewusste kreative Pause. Und diese möchte ich nutzen, um das Thema Fotografie aus dem Blickwinkel zu beleuchten, der mich seit Jahrzehnten begleitet: dem des Praktikers.
In meinem letzten Artikel haben wir intensiv über den Werkstoff Licht gesprochen und warum wir aufhören müssen, uns ständig nur über Kameras zu unterhalten. Heute möchte ich diese Ansage festigen.
Natürlich spielt das technische Equipment eine Rolle. Aber fragen wir uns doch einmal ganz pragmatisch: Was nützt uns eine hochpräzise bankoptische Kamera oder das stabilste Dreibeinstativ der Welt – wenn wir kein Motiv haben? Oder schlimmer: Wenn wir keine Bildaussage haben?
Das geplante Motiv: Studio vs. freie Natur
In meiner beruflichen Laufbahn als Werbefotograf war die Welt klar geregelt. Konzepte, Bildaussagen, Zielgruppen und die gewünschte Stimmung wurden lange vor dem eigentlichen Shooting akribisch besprochen. Am Set selbst, oft in kleinen eingeplanten Pausen, wurde nachjustiert. Doch am Ende galt immer eine eiserne Regel: Hinter der Kamera steht nur der Fotograf. Störende Einflüsse von außen oder gut gemeinte Ratschläge von Umstehenden lenken nur ab und zerstören die Intimität des Moments – ein Phänomen, das jeder kennt, der schon einmal versucht hat, eine Gruppe von Menschen zu fotografieren, während im Hintergrund jemand „helfen“ will oder sich eine Person sichtlich unwohl fühlt.
Manch einer mag nun meinen, fĂĽr die Natur- und Landschaftsfotografie sei dieser konzeptionelle Ansatz etwas ĂĽbertrieben. Im Gegenteil!

Während der Studiofotograf sein Motiv vorab auf dem Tisch arrangiert, besteht die Arbeitsvorbereitung des Landschaftsfotografen aus einer ganz anderen Form der Akribie. Landschaftsfotografie ist für mich nicht das bloße Hinausgehen ins Blaue, in der vagen Hoffnung, dem Zufall die größte Chance zu geben. Es ist ein zutiefst bewusster, strategischer Prozess:
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Das mag nach purer, fast schon mathematischer Berechnung klingen. Aber man kann es auch wie ein Spiel betrachten, bei dem man sich durch gute Vorbereitung den entscheidenden Vorsprung verschafft.
Geschichten lesen: Die Königsdisziplin der Fokussierung
Das vordergründigste Motiv für eine gelungene Aufnahme ist und bleibt jedoch die eigene Begeisterung. Wer begeistert und top vorbereitet auf Tour geht, steht vor einer ganz anderen Herausforderung: Es gibt plötzlich weit mehr Motive, als man sich vorstellen kann. Die Reizüberflutung in einer grandiosen Landschaft ist real.
An diesem Punkt wird die Fokussierung auf das Wesentliche unabdingbar.

Als Profi gehe ich deshalb sehr gerne völlig allein hinaus. Ich lasse mich intuitiv leiten, bin aber gleichzeitig absolut fokussiert. |
Motive erzählen Geschichten. Als Fotograf darf ich diese Geschichten in der Natur lesen. Die eigentliche Königsdisziplin ist es dann, diese komplexen Geschichten mit nur einem einzigen oder ganz wenigen Bildern so zu transportieren, dass sie beim Betrachter ankommen. Wenn ich diesen Kern, mein wahres Motiv, gefunden habe, halte ich inne und genieße diesen Augenblick. Es ist ein zutiefst erfüllender Prozess, der mich seit Jahren antreibt, immer noch einen Schritt weiterzugehen.

Die Psychologie des Festhaltens
Fotografie hat viel mit Psychologie zu tun. Die Motive, die wir sehen, und die flüchtigen Augenblicke, die wir erleben und unbedingt festhalten wollen, nehmen einen großen Platz in unserem Leben ein. Sie sind visuelle Anker unserer Erinnerung und Identität. Ich selbst kenne keinen Menschen, der diese wertvollen visuellen Statements ernsthaft dem reinen Zufall überlassen möchte.
Bevor wir uns also in den kommenden Beiträgen im Detail mit der Technik, den präzisen Kameraeinstellungen oder der digitalen Nachbearbeitung beschäftigen, halten wir fest: Wir brauchen zuerst das Licht – und ein starkes, bewusst gewähltes Motiv.
Ausblick: Wie geht es weiter?
Es gibt noch viel über die Philosophie der Fotografie zu sagen, bevor die Technik das Ruder übernimmt. Im nächsten Beitrag widmen wir uns einem Thema, das vor allem im Zeitalter der digitalen Bilderflut wichtiger ist denn je: „Klasse statt Masse und das Gesetz der Serie“.
Wie sehen Sie das?
Gehen Sie bei Ihren Projekten lieber strukturiert vor, oder vertrauen Sie ganz dem kreativen Zufall? Ich freue mich auf Ihre Gedanken in den Kommentaren!







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