Dein Bildstil und das Gesetz der Serie: So entwickelst du deine visuelle Handschrift
- Vera und Josef Reiter

- vor 9 Minuten
- 3 Min. Lesezeit
📝 Auf einen Blick: Das erwartet dich
Die alten Meister: Was wir von Klimt, Helnwein und Hundertwasser über visuelle Identität lernen können.
Das Fotoarchiv im Check: Warum 1.300 Bilder aus 350 Touren keine schlechte Ausbeute, sondern ein Qualitätszertifikat sind.
Corporate Design im Visier: Warum gut gemeinte Mitarbeiter-Projekte im Marketing oft scheitern müssen.
Exklusiver Einblick: Meine konzeptionelle Serie „Die Bogenschützen“ im Stil-Check.
Der Bildstil und das Gesetz der Serie: Weiter zu unser Galerie-Unikat
Dein Bildstil und das Gesetz der Serie
Im ersten Teil unserer Reihe haben wir uns angesehen, warum Klasse statt Masse das Fundament jeder professionellen Fotografie ist. Doch wie schafft man den Sprung vom einzelnen, technisch perfekten Bild hin zu einem eigenen, unverwechselbaren Stil?
Die Antwort liegt im Gesetz der Serie. Was im ersten Moment vielleicht wie ein Widerspruch zu „Klasse statt Masse“ klingt, ist in Wahrheit der absolute Schlüssel zu deiner eigenen fotografischen Identität.
Wer kennt sie nicht, die alten Meister der Kunst und Malerei? Jeder von uns hat sofort ein ganz bestimmtes Bild, eine Farbwelt oder eine Textur vor Augen, wenn Namen wie Gustav Klimt, Gottfried Helnwein oder Friedensreich Hundertwasser fallen. Trotz völlig unterschiedlicher Herangehensweisen, Bildinhalte und Techniken haben sie eines gemeinsam: Es ist der unvergleichliche Stil ihrer Arbeiten, an dem sie weltweit sofort wiedererkannt werden.
Zwischen Kommerz und Kunst: Das Fotoarchiv als Zeuge
Die Auftragsfotografie und so manche Ausflüge in die rein künstlerische Fotografie haben mein Berufsleben und meine Freizeit erfüllt. Eines war mir dabei immer bewusst: Ob Kunst oder Kommerz – mein Anspruch war und ist immer die Bildserie. Ich suche Bilder, die sich aufgrund ihrer stilistischen Charakteristik logisch nachvollziehen und variantenreich reproduzieren lassen.
Mit genau diesen Vorzeichen habe ich damals unseren Landschaftskalender „Made in Austria“ entwickelt. Für die fotografischen Arbeiten entschied ich mich bewusst für Panoramen. Durch diese bewusste Dimensionsverschiebung erreiche ich außergewöhnliche Perspektiven. Gepaart mit dem extremen Breitformat und einer kompromisslosen Bildqualität ergibt sich ein eigener, wiedererkennbarer Fotostil.
Lassen Sie mich kurz zu den nackten Zahlen meiner Klasse statt Masse-Philosophie zurückkehren:
In den vielen Jahren, in denen ich mich nun intensiv mit der Panoramafotografie auseinandersetze, haben es gerade einmal 1.300 Bilder aus rund 350 Touren in unser finales Fotoarchiv geschafft.
Das klingt im ersten Moment vielleicht verschwindend wenig und deutet für den Laien auf eine magere Ausbeute hin. Für den Profi und den Marketingexperten ist es das exakte Gegenteil: Es ist das Qualitätszertifikat einer Serie, die durch einen absolut einheitlichen Stil verbunden ist.
Die Bogenschützen: Stilkonstanz im Studio und Outdoor
Um Ihnen zu zeigen, dass dieses Seriengesetz nicht nur für Landschaften gilt, präsentiere ich Ihnen heute einen exklusiven Ausblick in eine meiner künstlerischen Konzeptserien: Die Bogenschützen.


Egal ob im dichten, mystischen Nebel [cite: 4] oder vor der architektonischen Strenge einer Pagode: Die Serie funktioniert, weil das visuelle Konzept – die kühle Farbpalette, das dramatische Licht und die Fokussierung auf die Anspannung des Schützen – wie ein unsichtbares Band alle Bilder zusammenhält. Das ist es, was eine Serie ausmacht.
Warum das Marketing die Serie liebt (und gut gemeinte Projekte scheitern)
Die moderne Werbefotografie wäre ohne solche Bildkonzepte schlicht unvorstellbar. Unternehmen werden heute primär über ihre wiederkehrende Bildsprache (Corporate Visual Identity) erkannt. Besonders in der Verlagsbranche ist die Serie unverzichtbar – periodische Medien ohne Wiedererkennungseffekt sind für den Markt wertlos.
Genau hier schlagen wir die Brücke zur harten Praxis. Als Kalenderhersteller wurde uns schon öfter Bildmaterial von Kunden beigestellt. Die Idee dahinter ist nett gemeint: Engagierte Mitarbeiter steuern ihre eigenen, privaten Bilder für den Firmenkalender bei, um die Motivation im Team zu steigern.
Wie bei jedem klassischen Fotowettbewerb bringt nun jeder Mitarbeiter sein absolut bestes Bild mit. Technisch oft okay – aber was passiert nun?
Ein ausgefuchster Bildbearbeiter oder Grafiker könnte die Daten zwar irgendwie angleichen, aber: Würde ein strategisch denkendes Unternehmen einen derartigen Eingriff in sein hauseigenes Corporate Design zulassen?
Das ganze Konzept ist kontraproduktiv. Würde ein erfahrener Marketingleiter es für gut heißen, wenn plötzlich zwölf völlig fremde, zusammengewürfelte Design- und Bildsprachen für sein Unternehmen sprechen? Ein solches Projekt ist aufgrund der individuellen, wild verstreuten Bildauffassungen und den daraus resultierenden stilistischen Brüchen von vornherein zum Scheitern verurteilt.
Ein einzelnes schönes Bild ist im Marketing wertlos, wenn es die Serie zerstört.
Fazit: Suche die Serie, nicht das Einzelbild
Wenn Sie das nächste Mal mit der Kamera das Haus verlassen oder eine neue Kampagne planen, suchen Sie nicht nach dem einen "Zufallstreffer". Suchen Sie nach dem roten Faden. Suchen Sie Ihre Serie.
Kennen Sie solche stilistischen Brüche aus der Praxis? Ich freue mich auf Ihre Erfahrungen in den Kommentaren!







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