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Die Entdeckung eines Kleinodes

Ein fotografisches Abenteuer im Schatten der Riesen


Zwischen Umkehr und Triumph

Meine unstillbare Neugier zieht mich nach Osttirol – im Gepäck eine schwere Kameraausrüstung und die Sehnsucht nach der unberührten Bergwelt der Rieserfernergruppe. Doch mein Versuch, die Rosshornscharte (2.910 m) zu überschreiten, endete im Fiasko. Ein unmarkierter Pfad, zu schweres Equipment, ein schlecht gesicherter Klettersteig und absolut kein Mobilfunkempfang. Da sich die wenigen Bergsteiger der Hütte auf elf Dreitausender verteilten, war keine Hilfe zu erwarten. Die Vernunft siegte: Ich kehrte um.


Doch der Berg ließ mich nicht los. Ein Jahr später kam ich wieder – mental gestärkt, physisch fit und optimal vorbereitet. Diesmal gelang die Überschreitung!

Mein Ziel war ein Ort, den es vor wenigen Jahren noch gar nicht gab: Ein namenloser, türkisgrüner Gletschersee am Fleischbachkees, erst kürzlich durch die Gletscherschmelze entstanden. Ein magischer, vergänglicher Moment. Da dieser Ort noch keinen Namen trug, taufte ich ihn – passend zur Region und ein wenig eigennützig – Sankt-Josef-See.


Schneebedecktes Feld mit Blick auf den türkisfarbenen Sankt-Josef-See und die majestätischen Berge der Hohen Tauern.
Sankt-Josef-See
Blick auf das beeindruckende Fleischbachkees hoch über dem Defreggental, mit dem türkisblauen Sankt-Josef-See in der Kulisse und majestätischen Berggipfeln im Hintergrund.
Blick auf das beeindruckende Fleischbachkees hoch über dem Defreggental

Warum dieser Ort?


  • Der Reiz des Unbekannten: Dieser alte Jägersteig war bis vor kurzem fast nur Einheimischen ein Begriff.

  • Persönliche Herausforderung: Das Verlassen ausgetretener Pfade testet die eigenen mentalen und körperlichen

    Grenzen.

  • Vergängliche Schönheit: Der See ist ein direktes, faszinierendes und zugleich mahnendes Zeugnis des Klimawandels und des Gletscherschwunds.

  • Fotografisches Juwel: Das Zusammenspiel aus rauem Fels, ewigem Eis und dem jungen Schmelzwassersee bietet einzigartige Kontraste für die Kamera.



Dein Weg zum Sankt-Josef-See

Damit dein Abenteuer gelingt, findest du hier alle wichtigen Details zur Tour auf einen Blick.


📋 Touren-Steckbrief


  • Region & Lage: Defereggental (Osttirol), Ende des Patschertals | Rieserfernergruppe, Nationalpark Hohe Tauern, Tirol, Österreich.

  • Reine Gehzeit: Rund 8:00 Stunden (Gesamte Rundtour).

  • Streckenlänge: Ca. 18,9 km.

  • Höhenmeter: 1.414 hm im Auf- und Abstieg.

  • Höchster Punkt: 2.931 m ü. A.



⚠️ Anspruch & Ausrüstung


  • Schwierigkeit: Bis zur Barmer Hütte und weiter zur Rosshornscharte moderat. Ab der Scharte ist hochalpines Gelände erreicht – Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sind hier absolut unerlässlich!

  • Ausrüstungstipp: Knöchelhohe Bergschuhe sind Pflicht. Ein Helm (für den Klettersteig-Abschnitt) sowie Grödel (Steighilfen) für Altschneefelder sind dringend empfohlen.

  • Bekleidung & Verpflegung: Du bewegst dich auf fast 3.000 Metern Seehöhe. Packe wetterfeste Kleidung (Zwiebellook) und ausreichend Flüssigkeit ein.


Blick auf den majestätischen Lenkstein auf dem Weg zur Rosshornscharte, unter einem strahlend blauen Himmel und mit schneebedeckten Gipfeln im Hintergrund.
Blick auf den majestätischen Lenkstein (3.236m)

🗺️ Sicherheit & Orientierung


  • Wetter: Die Tour ist nur bei absolut stabilen Wetterbedingungen zu empfehlen.

  • Wegführung: Umgehe die westseitigen Geröllfelder des Rosshorns großzügig. Halte dich stattdessen in der Mitte des Schneefeldes direkt in Richtung des Sankt-Josef-Sees.


💡 Mein Extratipp:

Wer die Kamera im Gepäck hat, sollte sich für diese Region mindestens zwei Tage Zeit nehmen. Allein die Wanderung durch das Defereggental bis zur legendären, historisch einzigartigen Jagdhausalm (auch bekannt als "Klein-Tibet") ist ein landschaftliches Gustostückerl.


Die Entdeckung eines Kleinodes


Licht und Technik auf 3.000 Metern

Beim ersten Versuch bin ich nicht zuletzt wegen meines viel zu schweren Rucksacks gescheitert. Wer Kamera, drei Objektive, ein massives Stativ und einen Nodalpunktadapter den Berg hochschleppt, spürt jeden Meter. Doch die Mühe lohnt sich, denn die Fotografie in diesen Höhenlagen folgt eigenen, faszinierenden Gesetzen.

Hier oben profitiert man von der kühleren, dünneren und extrem trockenen Luft. Dunstschleier fehlen fast völlig, wodurch der Himmel beinahe irreal klar und tiefblau wirkt. Wer sich bereits um 4:00 Uhr morgens auf Position bringt, erlebt ein Naturschauspiel der Extraklasse: Den Sonnenaufgang auf Augenhöhe.



Mein technisches Setup für das perfekte Panorama:

  • Die Technik: Um ein verzerrungsfreies Panorama zu erstellen, nutze ich ein stabiles Stativ mit einem Nodalpunktadapter.

  • Das Objektiv: Ein 17-mm-Weitwinkelobjektiv, fotografiert im Hochformat. Die Blende halte ich mit f/5.6 relativ weit offen, da die Tiefenschärfe bei dieser Brennweite bereits ausreicht.

  • Die Belichtung: Um einen perfekten Übergang der 4 bis 5 Einzelaufnahmen zu garantieren, schalte ich jegliche Automatik ab und fotografiere rein manuell.

  • Der Trick: Vor dem eigentlichen Sonnenaufgang messe ich den hellsten Punkt am Horizont und stelle danach meine Belichtungszeit ein. Den Rest der Magie übernimmt dann die aufgehende Sonne ganz von selbst.


Magischer Sonnenaufgang an der Rosshornscharte in Osttirol, mit Blick auf die Geröllfelder nahe der Barmer Hütte.
Sonnenaufgang nahe der Barmer Hütte.

Jetzt bist du dran!

Der Sankt-Josef-See am Fleischbachkees ist ein Ort im Wandel – ein junges, wildes Stück Natur, das uns die Vergänglichkeit der Gletscher vor Augen führt, aber auch zeigt, wie dynamisch unsere Bergwelt ist.

Hast du auch schon einmal einen Ort entdeckt, der in älteren Wanderkarten noch gar nicht verzeichnet war? Reizt dich die raue Einsamkeit der Rieserfernergruppe, oder zieht es dich eher zu den bekannten Klassikern?


Schreib es mir unbedingt in die Kommentare! Ich freue mich auf deine Gedanken, Fragen und deine eigenen Bergberichte.





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