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Der Wettlauf zum Gipfel: Wo bleibt die Bergkameradschaft?

Illustration von zwei Wanderern auf einem schmalen Bergrücken bei Sonnenuntergang, wobei einer dem anderen Raum gibt und Empathie zeigt.

Der Wettlauf zum Gipfel: Wo bleibt die Bergkameradschaft? – Gestern sah ich ein Video eines bekannten YouTubers, der sich über 20 Minuten lang über einen Streit am Berg beschwerte. Die Quintessenz – man solle „Modeberge“ einfach meiden – blieb jedoch enttäuschend oberflächlich.

Dieses Video nehme ich zum Anlass, über ein tieferliegendes Problem zu sprechen: Wie gehen wir am Berg eigentlich miteinander um?


Immer öfter habe ich das Gefühl, dass aus Gleichgesinnten Kontrahenten werden.


Stress an der Schlüsselstelle

Nehmen wir eine Situation, die viele kennen: Ein schmaler Grat kurz vor dem Gipfel, der Puls ist hoch, Adrenalin schärft die Sinne. Genau jetzt braucht es Konzentration. Doch man läuft auf den Vordermann auf. Vorbeigehen ist aus Sicherheitsgründen unmöglich – und schon entfacht ein Wortgefecht.

Die Dynamik ist simpel:

Der Vordermann ist vielleicht unsicherer oder langsamer. Statt ihn zu ermutigen, wird er durch Druck zusätzlich gestresst. Er reagiert reflexartig mit Verteidigung. Das verdirbt nicht nur allen die Laune, sondern ist am Steilhang schlichtweg gefährlich.


Verständnis statt Leistungsdruck

Der Schlüssel liegt in Geduld, Selbstbeherrschung und Empathie. Es ist keine Stärke, Schwächere unter Druck zu setzen. Warum fällt es uns oft so schwer, Hilfe anzubieten oder kurz durchzuatmen? Ist unsere gemeinsame Leidenschaft zum reinen Wettlauf verkommen?

Mein Gegenvorschlag für das nächste Mal: Bieten wir einander eine bergtechnische Handrechnung an. Die nächste Hütte ist meist nicht weit.

Und wer weiß – vielleicht treffen sich dort zwei Menschen mit unterschiedlichen Stärken: einer mit sozialer Weitsicht und einer mit alpiner Erfahrung. Das perfekte Gespann für die nächste Tour.


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